Jugendarbeit und Jugendrevolte

Ab Mitte der 60iger Jahre wurde das politische und gesellschaftliche Leben der Bundesrepublik Deutschland erheblichen Veränderungen unterworfen. Neue, von Jugendlichen bestimmte Bewegungen wie die Gammler-Welle, die Hippie-Bewegung oder die Welle der Sexuellen Revolution im gesellschaftlichen Bereich und der APO, Anti-Vietnam-Bewegung oder der Studentenrevolte bewegten auch das politische Leben in Köln und konnten nicht ohne Wirkungen auf das Selbstverständnis und die politische Programmatik der Jungen Union bleiben.

Eine wichtige Änderung infolge der Diskussion um das Wahlrechtsalter / Volljährigkeit war in der Organisation der Jungen Union Deutschlands 1971 die Änderung des Mitgliedsalters. Die Junge Union wollte sich mehr den Jüngeren zuwenden und senkte das Eintrittsalter von 16 auf 14 Jahre und das Ausschlussalter von 40 auf 35 Jahre. Diese Änderung hatte zur Folge, dass man als 14- oder 15-jähriger vollwertiges Mitglied der Jungen Union, aber nicht der CDU werden konnte, da deren Eintrittsalter bei 16 Jahren verblieb. Hierdurch wurde die Junge Union für viele Jugendliche attraktiver. Jedoch öffnete sich hier langfristig eine Schere zwischen „Nur JU-Mitgliedern“ und den „JU- und CDU-Mitgliedern“ und dem Verhältnis und Verständnis von Nachwuchsorganisation und Mutterpartei, zumal zeitweise in den 70iger Jahren etwa die Hälfte der Mitglieder der Jungen Union eben „Nur JU-Mitglieder“ waren.

Die kommunale Neugliederung veränderte nicht nur die Stadt Köln, sondern auch die Organisation der Jungen Union Köln. Während die JU vorher überwiegend auf Kreisebene organisiert war, wurden jetzt zusätzlich Ortsverbände und Stadtbezirke – entsprechend der geänderten Verwaltungsstruktur – eingeführt. Aus ehemals „Köln-Stadt“ und Teilen von „Köln-Land“ wurde neu der „Kreisverband Köln“ der Jungen Union.

Eine weitere Lücke des Angebots wurde geschlossen als die Schüler Union 1973 auch in Köln gegründet wurde. Gemeinsame Aktionen von Schüler Union und Junger Union, wie die Beratung von Schulabgängern oder der Kampf für Schüler- und Studentenermäßigungen usw. führten zu erheblicher Beachtung in der Öffentlichkeit.

Intensive Zusammenarbeit pflegte die Junge Union in diesen Jahren mit dem RCDS (Ring christlich demokratischer Studenten), kamen doch – neben den bildungspolitischen Themen – viele gesellschaftliche Anstöße dieser Jahre von den Universitäten. Erleichtert wurden solche Kooperationen der ansonsten auf Eigenständigkeit bedachten Verbände durch personelle Deckungsgleichheit zwischen Teilen Junger Union und RCDS.

Auch alleine ging die Junge Union dieser Tage außergewöhnliche Wege. So entschloss sich 1973 der Vorstand unter dem allgemein recht beliebten Vorsitzenden Manfred Steinhausen ein Jugendzentrum am Römerturm einzurichten, um beim Flippern und an der Theke einen leichteren Zugang zu politisch interessierten Jugendlichen zu bekommen.

Zu dieser Zeit ging es der JU anscheinend finanziell nicht schlecht. Es gelang nicht nur, das eigene Jugendzentrum zu gründen, sondern auch die Seminartätigkeit auszuweiten. So berichtet die Kölnische Rundschau im August 1974:

„Mit Junger Union nach Mallorca

Unter die Reiseveranstalter ist die Kreisgruppe II der Jungen Union Köln gegangen. Klaus Laepple, Vorstandsmitglied der Kreisgruppe, hat ein Freizeit-Seminar vom 10. – 23. August in Mallorca organisiert. Teilnehmen können Jugendliche, aber auch deren Eltern. Die Kosten für die Flugreise und den Aufenthalt in Mittelklasse-Hotels betragen bei Vollpension 270,- DM; wird nur Frühstück gewünscht ermäßigt sich der Preis auf 168,- DM. Anmeldungen müssen bis 20. Juli an Klaus Laepple, Köln 41, Berrenrather Str. 248, gerichtet werden.“

Mallorca war ein Höhepunkt der Seminarveranstaltungen. Bereits im März und April 1974 war die JU in Prag und Budapest gewesen.

Neben den sachpolitischen Aktivitäten kam es allerdings auch im Dezember 1973 zu einer Dreierkandidatur um den Vorsitz zwischen Gerd Moll, Heinz Christian Esser und Egbert Bischof. Letztlich konnte sich Heinz Christian Esser durchsetzen.